alles ist möglich

Derzeit ist das mit dem Erwachsenwerden sehr schmerzhaft und ein Prozess, der mich in die schlichtesten Alltagserledigungen hineinverfolgt. Als Mensch mit sachlicher Heimerziehung eröffnet sich eine weitere Sparte an verschiedensten Schamgefühlen darüber, dass diese ganz bestimmten Personen fehlen, die mir gerade hier Unterstützung und Fokus und Orientierung geben könnten, wenn sie es auch nur dadurch täten, dass sie teilhätten an der Diskussionsplattform meines Lebens. In meinem Kopf ist genau da ein Loch, und wenn sich jemand meinen Alltag vorstellen könnte, dann als Sims-Spiel, wo unter den wählbaren Aktionen eines Sims nicht zwanzig bis dreißig Aktionen stehen, sondern eine Million, und jedesmal, wenn du eines anklicken willst, stockt das Bild, und es ist klar, die Aktionenanzeige hat noch nicht ganz geladen, und 744 andere erscheinen bereits und überlappen einander, wie die Fenster bei Windows 95. Mein großes Problem ist nicht meine Angst, sondern die Unmöglichkeit, Wichtigkeit und Unwichtigkeit festzulegen. „Alles ist moglich“ ist nur dann eine erfreuliche Feststellung, wenn ea sich nicht darauf bezieht, dass du jederzeit sterben könntest oder in deinem Schwimmbecken ausgerechnet heute aus dramatisch pikanten Gründen ein Hai ausgesetzt wurde (eine Angstfantasie, die mich als Kind für eine erinnerungswürdige Viertelstunde lang besessen hat) oder genau jetzt, nein, genau jetzt, nein, genau jetzt etwas aus einem Fenster dieses langen Hauses auf deinen Kopf fliegt. „Alles ist möglich“ ist der Terror meines Gehirns.

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