Dinge, und: Ich darf jetzt auch Alltägliches hier schreiben.

Ich bin keine gute Alltagsblogger*in. Die meiste Zeit liegt das nicht daran, dass ich banal finde, womit andere ihre Blogs füllen (Strickzeug, Besuchen, Rezepten, was sie gelesen haben etc), sondern dass ich einen hohen Druck empfinde, so politisch zu schreiben wie möglich. Ich bin doch eine queere Person of Color! Mein Blog muss vibrieren mit Wut über die Ungerechtigkeit die tagtäglich gegen Menschen wie mich stattfindet! – sagt niemand im Generellen, aber mein Kopf mir im Besonderen. Ich beneide alle Leute, die ihre Blogs mit allem möglichen füllen, ich mag die Stetigkeit, mit der sie das tun, mit der sie Grenzen von „privat“ und „politisch“ missachten.

Ich bin auch keine gute Polit-Blogger*in. Bei mir selber beobachte ich, dass ich mich fern von tagesaktuellem Politgeschehen halte innerhalb meines Blogs, meist weil ich die noch gar nicht verarbeitet habe und mir jede Aussage dazu zT generisch erscheint. Kurz: Es langweilt mich. Irgendwas Sexistisches passiert, irgendwer schreibt: Das ist sexistisch, es gibt sexistische Kommentare, usw. Mich interessieren mehr: Beziehungen, Beziehungsformen, Szenekonflikte, die Auseinandersetzung miteinander über Basics hinaus: Wie leben wir Queerness, wie leben wir nichtbinäre Trans*identitäten sein über Sprachpolitiken hinaus; was bedeutet die Schnittmenge unserer Identitäten und Erfahrungen struktureller Gewalt in unseren persönlichen Beziehungen und in der Auseinandersetzung mit (Teil-)Öffentlichkeiten?
Das spiegelt sich ein bisschen auch in meinen letzten Posts hier wider.

Aber ich hab auch soviel Sehnsucht nach einer Normalität. Ich hab Sehnsucht danach von Leuten wie mir zu lesen, wie sie ihren Alltag bewältigen, und ich denke, ich fange damit an, solche Menschen zu finden, indem ich auch selber darüber schreibe.

Alltag, das sind für mich v.a. die Dinge die mich umgeben, die eine Geschichte haben; die Rezepte die mich glücklich machen; das Buch im Schrank, das mich nicht nur an seinen Inhalt erinnert, sondern auch daran, wer ich war, als ich es zuerst in die Hand nahm; das Bett in dem ich liege, zärtlich bin und eine Beziehung aufbaue, meine hohen Schuhe, mein MakeUp, mein Binder …

Über solche Dinge will ich auch schreiben hier. Und noch mehr: Über Essen! Über Wohnungssuche. Übers Prokrastinieren. Und Dinge die ich prokrastiniere (Was machst du denn mit deinem Leben, Baum?)

Ja, es ist seltsam: Ich schreibe gerade quasi eine Ankündigung dafür, alltäglicher schreiben zu wollen, um v.a. mir selber zu sagen: Ich erlaube es mir. Aber anders geht es manchmal nicht.

Ein Kommentar

  1. Natanji · Februar 16, 2015

    Danke dafür. Weißte was? Ich will das auch. Und ich sollte es einfach mal *tun*. Anstatt diese Dinge in seltsamen Streitkonversationen in Reddit-Kommentaren oder auf Mailverteilern zu lassen. Raus da. Was von mir preisgeben!

    Und gleichzeitig kommt es mir so belanglos vor, wenn es nicht hinreichend geistreich ist. Auch so ein: dass hat bestimmt schon iwer besser als ich gesagt.

    Vermutlich schaffe ich es jetzt immer noch nicht, aber die Motivation ist ein bisschen gestiegen dank dir. Vlt schaffe ich es irgendwann und ich kann dich zurückmotivieren? Fände ich schön.