Ein altes Liebesgedicht

gemurmel

nr. 1:

ich bin
dieses brennende
nicht festzuhaltende
sich schon verflüchtigende

nr.2:

ich bin
die anspannung,
die in der brust
erwartet … und nicht weiß was

nr.3:

ich bin
ein flüchtling an deinen mauern.
den krieg in meinen augen,
wird dein horizont zum versprechen.

nr.4:

ich bin du
und es wird immer dann schmerzen,
wenn ich an der grenze zu dir stehe
und mich nicht zu dir herüberholen kann

nr.1:

ich bin
dieses brennende
nicht festzuhaltende
sich schon verflüchtigende

nr.2:

ich bin
die anspannung,
die in der brust
erwartet … und nicht weiß was

nr.3:

ich war
ein flüchtling an deinen mauern.
den krieg in meinen augen,
wende ich mich ab.

nr.4:

ich bin
ein punkt im brand.
eine note im wind.

wenn ich verklinge,
werde ich mich woanders
wieder neu singen.

(11.Juli 2011)

Die Worte »Flüchtling« und »Krieg« würde ich heute nicht mehr so benutzen.

3 Kommentare

  1. trippmadam · Januar 29, 2014

    Das Gedicht ist schön (und dabei mag ich noch nicht einmal Gedichte).

    Ich glaube, ich kann nachvollziehen, warum Du die beiden genannten Begriffe nicht mehr verwenden würdest. Vom literarischen oder künstlerischen Standpunkt aus gesehen erscheinen sie dagegen genau richtig, da sie Deinem Gedicht etwas Scharfkantiges und Raues geben. Mit dem Verwerfen von Metaphern beim „bewussten“ Schreiben kann ich mich immer noch nicht anfreunden, und ich frage mich, ob wir nicht in puncto Sprache etwas verlieren, wenn wir die metaphorische Verwendung von negativ konnotierten Begriffen nicht mehr zulassen.

  2. Profilbild von Bäumchen
    Bäumchen · Januar 29, 2014

    Danke, trippmadam :)
    Für mich werden Metaphern dann schwierig wenn sie die schmerzhafte Erfahrung anderer Menschen relativieren. Ich finde das Wort »Flüchtling« nicht schlimm, weil negativ konnotiert, sondern weil es eben eine Form von Aneignung ist, meine Liebeserfahrungen damit zu umschreiben. Ich denke, es wäre mal eine Aufgabe, geeignetere Wörter zu finden: Wörter die in unsere Situationen passen und nicht anderen etwas wegnehmen müssen, for the only reason to make a point. Das wäre mal spannend und würde ich, falls ich mal wieder schreibe, gerne lernen.

  3. trippmadam · Januar 29, 2014

    Ja, „negativ konnotiert“ ist hier tatsächlich unpassend. Ich wollte auch eher auf das Thema Aneignung hinaus.