Von Meerjungfrauen und Werwölfen – Pubertätsmärchen. Teil I

Spoiler Alarm: Hier geht es heute um die Serie ,,Teen Wolf“. Ich werde alles verraten. Rettet euch.

Alarm 2: Ich bin unzufrieden mit diesem Post. Ich will ihn aber trotzdem veröffentlichen. Ich hoffe, ich werde mit ähnlichen Postings in der Zukunft zufriedener sein. Das Hauptproblem, das ich für mich sah, waren die vielen Assoziationen und dass ich viele davon einfach nicht zuende denken konnte.

Alarm 3: Mir ist es total schwergefallen, gescheit mit den Sternchen* umzugehen. Ihr werdet es merken. Ratet mal, worans liegt. Es ist das eine, gegen Geschlechterbinarität zu sein; es ist etwas anderes(edit: nein, nicht wirklich^^), wenn Popkultur dir erzählt, es gibt da diese Parallelwelt einer Serie, in der gäbe aber nur diese ZWEI Geschlechter und die benehmen sich eben so. Soll ich mich jetzt innerhalb der Geschichte auf diese Logik einlassen, weil ??? Ich habs versucht mit den Sternchen, verbessert mich, wo ihr könnt.

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Ich mag Teenieserien. Hab sie in den dafür ausgerichteten Jahren nicht gucken können, bilde mir aber auch ein, dass es damals nur Buffy und Dawsons Creek gab. Ich war ziemlich lange noch mit Disneyfilmen verbandelt.

Im Nachhinein fällt mir auf, dass es mir leichter fiel, mich mit Tiercharakteren zu identifizieren, als mit den weißen, schlanken, normgerechten Mädchen der klassischen US-Teenserie.

Yeah, aber jetzt: Teenieserien ahoi. Vor ein paar Jahren war es „Neds ultimativer Schulwahnsinn“, die letzten Monate ,,Awkward. Mein sogenanntes Leben.“ und ,,Teen Wolf“.

Viele kennen das: Mensch entdeckt, bestimmte Storylines erzählen ihre eigene Geschichte; sie haben einen Bezug zur heutigen Gesellschaft, etc-ach-was-ist-Kultur-doch-interessant. Großes rhetorisches Blabla; jetzt kommt die eigentliche Idee: Ich will zwei der Teenieserien miteinander vergleichen. Und zwar einfach nurmal die erste Episode.

Ich habe mir ,,Teen Wolf“ und ,,H2O – Plötzlich Meerjungfrau“ (im Folgenden „H2O“) dafür ausgesucht, aus dem ganz gezielten Grund, dass sich 1. beide um eine Verwandlung in ein mythisches Geschöpf drehen und 2. sehr auffällig ist, dass in Teen Wolf v.a. junge Männer, in ,,H2O“ nur junge Frauen sich verwandeln.

Und dass beide Storylines anscheinend Geschichten über die Pubertät sind. Mensch muss nicht lange eine Folge von Teen Wolf ansehen, damit klar wird, dass es eine Geschichte oder auch ein Märchen über männliche* heterosexuelle Pubertät ist. Und als ich mir heute die Episode von „H2O“ anschaute, wurde mir klar, dass hier etwas ähnliches geschieht, mit Frauen*. Wieso werden Jungen* zu Werwölfen und Mädchen* zu Meerjungfrauen? Für mich haben die Serien durchaus was mit der Erziehung zur Zweigeschlechtlichkeit zutun.

Die Berufung auf mythische Geschöpfe gibt dieser Erziehung zur Zweigeschlechtlichkeit dabei soetwas wie Legitimität, das ,,Von alters her“, das uns immer wieder neu erzählt wird.

Da ich bemerkt habe, dass mir das zuviel Arbeit wird, hab ich eine kleine Serie drausgemacht; danke @Esme für die Idee. Ich beginne mit Teen Wolf, werde im nächsten dann „H2O“ behandeln und als drittes einen Vergleichs-Post der zweien schreiben. So die Idee, ob es dann letzten Endes auch klappt, liegt in den Sternen.

Wie ich zu Pubertätsinszenierungen stehe: Ambivalent. Ich werde jetzt nicht runterleiern, was Pubertät ist, was ,,im Körper ausgelöst wird“ (siehe Esmes großartiges ,,Bei einem Orgasmus passiert irgendwelches Zeug“).

Mir geht es erstmal um die Machtfrage. Solange ist die Zeit nicht her, dass ich mich nicht noch schmerzlich daran erinnern kann, wie diese ,,Phase“, die anscheinend nur aus weiteren Phasen bestand, von Älteren instrumentalisiert wurde, um mich und andere als junge Menschen nicht ernst nehmen zu müssen beziehungsweise alles auf die geheimnisvollen Hormone herunterzubrechen.

,,Teenagersein“ hieß, so stark von biologischen Prozessen beeinflussbar zu sein, dass kühle, vernünftige, quasi vom Körper losgelöste (=gute) Entscheidungen nur die Erwachsenen treffen konnten. Mich hat dieser Mythos, diese Vorhersage über mich selber so genervt, dass ich aus Trotz (ahaha) die Erwachsenen in ihrer ,,vernünftigen“ und ,,pflichtgemäßen“ Art nachahmte. Zum Leidwesen der anderen Kinder um mich herum, weil sie neben mir erst recht ,,kindisch“ wirkten. Erst mit neunzehn, zwanzig oder so konnte ich mal ,,loslassen“.

Anderseits freut es mich dann immer wieder, solche Stories zu lesen, mitzukriegen, wie diese inszeniert werden: wie gehen andere mit ihrer sich etablierenden sozialen Rolle um – oder bzw. was wird angenommen, wie sie damit umgehen, wie kommen sie mit Schamgefühlen klar, wie gehen sie mit ihrem eigenen Körper und den anderer um, mit Gruppenprozessen, Familienleben und so weiter. Und was erzählt uns diese Inszenierung über die Gesellschaft, in der wir leben.

So, nun zur Dekonstruktion. Ich hab mir den Begriff von Ana Mardoll geliehen, die ich bereits in einem früheren Post mal erwähnt habe.

Generell bedeutet es, alles Mögliche niederzuschreiben, was mir zu einem Schlagwort, einer Geschichte, einer Storyline so einfällt, es nicht in seiner Abgeschlossenheit sein zu lassen, sondern herauszuholen und in den Meat-Space zu übersetzen, es zu kritisieren, quasi zu schauen, was unten rauskommt, wenn ich es mal ganz kräftig schüttele. Etc.

Beginnen wir mit dem Geschlechterbild: In Teen Wolf verwandeln sich vor allem Männer* in Werwölfe. Ein Werwolf besitzt große Macht und Kraft, aber nur, wenn er sich kontrollieren kann, ansonsten verletzt er sich selber und natürlich die, die ihm lieb und teuer sind.

Für mich ist er das Sinnbild ganz klar traditionell männlich konnotierter Aggression, die richtig kanalisiert werden muss, damit sie konstruktiv genutzt werden kann und die durch männliche Vorbilder und peer buddys Erziehung und Eingrenzung braucht.

Im späteren Teil der Serie wird klar, dass die Hauptbeschäftigung der Werwölfe bleibt, andere zu unterwerfen und sich gegenüber Werwolfjäger*innen zu behaupten. Scott kämpft u.a. damit, eine andere Männlichkeit als die der Alpha-Wölfe anzustreben.

Weibliche Werwölfe gibt es kaum. In der gesamten Serie soweit ich weiß nur zwei, nämlich die bereits zu Anfang der Serie tote Schwester des Alphawolfes Derek Hale und dann eine Klassenkameradin von den Jungen, die durch den Biss vom Mauerblümchen zur supersexualisierten PHRAU(tm) wird. Sie hebt die These Werwolf=männliche Aggression nicht auf; da es durchaus in der Gesellschaft als ,,Vermännlichung“ betrachtet wird, wenn eine Frau* ihren* Willen durchsetzt, ihre* Lust lebt, sich nimmt, was sie* möchte.

Die Klassenkameradin bleibt aber auch nach ihrer Verwandlung eher unsichtbar; diese dient mehr dem ,,Aha“-Effekt der Vorher-Nachher-Show, als dass die Storyschreiberlinge tatsächlich an ihrem Charakter und seinem Wandlungsprozess interessiert wären. Das finde ich verdammt nochmal SCHADE. Baut sie aus! Macht sie großartig!

Scott McCall ist die Hauptfigur in Teen Wolf. Zu ihm las ich zuallererst in der Beschreibung des englischen Wikipedias, dass er ein ,,social outcast“ sei, ein Außenseiter; ich verstand es noch extremer als ,,Ausgegrenzter“.

Ich war recht enttäuscht, als sich herausstellte, dass die Hauptfigur ein für Hollywood klassischer weißer Dude war mit breiten Schultern, einem fotogenen Lächeln und viel Begeisterung für den Schulsport Lacrosse.

Zu einem Außenseiter nach Hollywoodsinn markieren ihn: Sein Asthma-Spray; dass er ein Fahrrad statt ein Auto besitzt und zuletzt sein nerdiger Freund Stiles Stilinski (oh ja, er heißt so), der gleichzeitig als Abgrenzung dient, um zu zeigen, dass Scott zwar Außenseiter ist, aber nicht sooo einer.

Stiles ist der einzige, der mir wirklich gefällt und dessen Namen ich mir merken konnte; er dient offensichtlich zur Bespaßung und positiven Berahmung des eher langweiligen Titelhelden, er ist zuständig für dessen Gefühle und Seelenzustände. Zu ihm schreibt The Fashion Harbinger sehr passend:

Stiles ist so schön wie ein Zeitlupenvideo einer blühenden Blume; die beste Mutter, die sich ein junger Wolf erhoffen kann. […Er] ist der liebenswürdigste Charakter überhaupt. Stiles ist der mit den Plänen, der strategische Denker, der Forscher … er ist die Hermine Granger der Show.

Stiles is beautiful like a timelapse video of a blossoming flower, and is the best mother any young wolf could possibly hope for. [… He] is basically the most lovable character ever. Stiles is the planner, the strategic thinker, the researcher… basically, he’s the Hermione Granger of the show.

Die weiblichen Personen im Vordergrund sind ERSTMAL vor allem Love Interests, nämlich Allison Argent und Lydia Martin. Ein ganz typisches Klischee ist, dass Allisons Vater ein Werwolfjäger ist und Allison so für Scott zur verbotenen Frucht wird; der Vater ist hinter Werwölfen her und bald hinter Scott, in einem typisch US-amerikanischen ,,Er nimmt mir meine Tochter weg/ er ist eine Gefahr für meine Tochter/ Wehe du hast Sex mit meiner Tochter“. Später entwickelt sich aus ihrer Beziehung zu Scott, die von Vertrauensbruch durchzogen ist, eine Art Penthesilea-Geschichte, zu der dann auch gut passt, dass sich nach und nach herausarbeitet, dass ihre Familie, die Werwolfjäger*innen Argent, matriarchatsförmig aufgebaut sind. Aber das kommt erst später …

Lydia Martin ist die klassische Schulschönheit, die am Anfang sehr überzeichnet dargestellt wird. Im Laufe der Serie wird sie zu einen der Gestalten, deren Trope die meisten Brüche bekommt, wo es aber wieder so oft nur bei Andeutungen bleibt.


So, hier nun zum Ablauf der ersten Folge:

Die Episode 101 beginnt mit der Polizei des Ortes Beacan Hills, die im dunklen nebligen Wald mit Schäferhunden nach einer Mädchenleiche sucht. Die Szene dient auch dazu, den Wald als einen der wichtigen Orte in der Serie vorzustellen, wo sich vieles im Verlauf von Teen Wolf abspielen wird; quasi der politische Lebensraum der Werwölfe.

Scott wird eingeführt, wie er den Schläger seines Lieblingssports repariert, mit nacktem Oberkörper. Diese Körperlichkeit ist ein ganz wichtiger Aspekt in Teen Wolf. Grins: Die Männer*-Umkleide des Schulsports ist dabei eines der zentralen Schauplätze für dramatische Ereignisse. Da die Frauen* eher zugeknöpft sind, hat diese männliche Körperlichkeit durchaus etwas Homoerotisches, mit der die Macher*innen auch bewusst spielen. Es gibt u.a. eine Szene, wo Alphawolf Derek Hale sich auszieht, um die schwule Nebenfigur Danny zu bezirzen. Danny ist wohl der unkomplizierteste schwule Teenager, den TV-Serien je gesehen haben, er ist relaxed, gerät in keine dramatischen Situationen hinein und gehört zu den Popular Kids. Aber er bleibt auch eine Nebenfigur, die von den ganzen Auseinandersetzungen der Werwölfe nix mitkriegt.

Zurück zur Hauptfigur: Scott hört etwas draußen und geht gleich mit dem Baseballschläger raus. Ich kann mich irren; ich weiß, dass in den USA das mit dem Privatbesitz anders gesehen wird und so, aber dass jedesmal zum Baseballschläger gegriffen wird, sobald ein Zweig knackst, finde ich dann schon seltsam.

Als es sich dann als sein Freund Stiles herausstellt, der auf dem Dach herumklettert, meint er, er dachte es sei ein Raubtier gewesen. Das ist deswegen interessant, weil Stiles ihn später aufklärt, es gibt keine Wölfe in Kalifornien. Und ich kann mir gerade nicht vorstellen, welche Tiere Scott noch Angst gemacht hätten. Ich denke, es ist als nettgemeinter kleiner Hinweis gedacht, dass das eigentliche Raubtier eigentlich er, Scott, ist beziehungsweise er es im Laufe dieser Folge in sich entdeckt.

Stiles, Sohn eines Polizisten, erzählt ihm, dass die Polizei nach einer Mädchenleiche im Wald sucht. Die Jungs ,,wittern ein Abenteuer“ (oh diese TKKG-Schreibe!)und ziehen los. In der Nähe der Polizisten wird Stiles von seinem Vater entdeckt; Scott bleibt alleine im Regen zurück und irrt dann durch den düsteren Wald. Irgendwas scheucht Rehe auf; sie trampeln über ihn hinweg; er verliert dabei sein Asthma-Spray. Er sucht mit seinem Handylicht danach und findet ein Teil der Mädchenleiche. Er rennt und begegnet dem Werwolf, der ihn beißt. Er flüchtet.

Am nächsten Tag in der Schule zeigt er Stiles seine Wunde: Erklärung: Es muss ein Wolf sein. Stiles meint, es gäbe keine Wölfe in Kalifornien.

Sie sind im Klassenzimmer, wo der Lehrer ironischerweise Kafkas Verwandlung durchnimmt. Kurz darüber nachgesonnen, hier mal Grundsätzliches: Gregor Samsa erlebt seine Verwandlung insgesamt negativ und sie führt auch dazu, dass er zum sozialen Absteiger wird; mit Eltern die mit ihren Ambitionen am Schluss auf die heiratsfähige Tochter setzen. Scotts Verwandlung hingegen ist eine, die ihn sozial aufsteigen lässt und dessen Konsequenzen ihn erstmal glücklich machen. Keine Ahnung, vielleicht hat jemensch Lust, einen Samsa-Teenwolf-Vergleichspost zu schreiben.

Scott bemerkt, dass er ein außergewöhnlich sensibles Gehör bekommen hat. Die Neue wird vorgestellt, Allison Argent. Es wird schon anfangs klar, dass sie der Love Interest von Scott sein wird. Scott benutzt sein verbessertes Gehör, um das Mädchen zu beeindrucken.

Allison wird sofort von der Schulberühmtheit Lydia Martin als beste Freundin akzeptiert wegen ihrer tollen neuen Jacke. Das geht sehr schnell und sehr glatt über die Bühne. Teen Wolf reproduziert die üblichen Klischees gerne, bringt aber im Laufe der Staffeln immer wieder Brüche hinein, die für mich erst die Spannung der Serie erzeugen. Leider muss ich auch sagen, lasse ich mich auch oft damit abspeisen. –

Erste und in der Folge einzige schwarze Frau tritt auf, um zu sagen, wie unfair das sei, dass Allison sofort diese Aufmerksamkeit bekommt. Stiles antwortet ihr mit nüchternem Realismus: So ist das halt. ,,Schöne Menschen gehören zusammen“.

Die nächste Körpersituation: Lacrosse. Love Interests sind nur da um zuzuschauen. Scott will sich dringend beweisen, für sich selber, aber auch für das Mädchen. Der Trainer des Lacrosse-Teams ist dabei die klassische negative männliche Figur, die ihn nicht anerkennt und für den menschlich nichts zählt außer Leistung.

Scott kommt mit seinen neuen Kräften erst überhaupt nicht klar, sie überwältigen ihn, als die Pfeife für ihn so laut zu hören ist, dass er nicht auf das Tor aufpassen kann. Doch dann kriegt er jeden der Bälle gefangen. Der Schulfiesling kann sich das nicht länger mitanschauen, drängt sich gebieterisch vor beim Trainingswerfen und – Konfrontation – doch Scott hält.

Was hier inszeniert wird, ist die klassische Fabel: Überwältigung versus Kontrolle. Solange Scott sich im Griff hat, solange er die neuen Kräfte übt und beherrscht, wird er Anerkennung gewinnen.

Nächste Szene: Scott und Stiles laufen durch den Wald, um das Asthma-Spray zu finden. Scott erzählt Stiles von seinem Zustand. Stiles macht Werwolfwitze. Sie kehren zu der Stelle zurück. Derek Hale taucht plötzlich auf, ein junger Mann, dessen Familie vor einiger Zeit in einem Hausbrand gestorben ist. Er wirkt sehr bedrohlich und geht wieder, nachdem er meint, dass die Jungs sich auf Privatgelände befinden, und dann das Asthma-Spray rüberwirft. In der Tierklinik, in der Scott arbeitet, entdeckt er dass seine Wunde völlig verheilt ist. Die Katzen schlagen alle wie wild an, als er in ihren Raum geht (hiermit habe ich entschieden, dass Katzen auch anschlagen können!).

Allison kommt vorbei; sie hat einen Hund angefahren. Hund ist total verängstigt und bellt laut rum; intuitiv beschwört Scott den Hund mit Augenkontakt.
Es folgt ein grässlich langweiliges Gespräch zwischen den Anbändelnden: Allison, weil sie so verängstigt war um den Hund:,,Ich bin ausgeflippt wie ein typisches Mädchen und ich bin kein typisches Mädchen!“

*augenroll*

Scott sagt, dass er wahrscheinlich geweint hätte an ihrer Stelle. Das ist für ihn leider aber nicht eine Form von Männlichkeit, sondern wieder etwas, was nur ein ,,girly girl“, ein typisches Mädchen machen würde, nicht ein MANN. Die Gleichung Girly girls= pathetic, also erbärmlich (Zitat!) geht mir gewaltig auf die Nerven. Die Streichelszene des Hundes wird zum romantischen Moment. Kleiner Nebengedanke: Mensch und Werwolf kommen sich über einen Hund näher. Discuss ^^

Körperliche Szene 2: Scott geht nachhause schlafen, und wacht nur in Unterhosen im Wald auf. Er trifft dort den anderen Werwolf wieder, kann aber fliehen. (In ein Swimmingpool! Geht es da irgendwie darum, dass kalte Duschen das beste für WERWOLFMOMENTE sind?)In der Schule stellt ihn der Fiesling Jackson Whittemore zur Rede; er glaubt Scott nimmt Steroide. Hätte erwartet, dass Scott ausweichend reagiert; stattdessen, anscheinend überwältigt und und befremdet von seinem eigenen Zustand, brüllt er zurück, dass er ja selber nicht wisse, was los ist. Jackson-Fiesling bleibt sich sicher, dass Scott ein Geheimnis hat, dass er dringend lüften muss; für ihn ist Scott ein Betrüger.

Der Trainer zählt währenddessen auf, was die Jungs erwartet, wenn sie gewinnen: „Your parents are proud, your girlfriend loves you, everything else is cremecheese/ Deine Eltern werden stolz sein, deine Freundin wird dich lieben, alles andere ist Frischkäse.“

Stiles recherchiert im Internet. An solchen Googlesuchen (wie auch bei Twilight), so lächerlich sie aussehen mögen, offenbart sich aber auch ein wenig die subversive Kraft des Internets. Ich erinnere mich daran, welche wichtige Rolle das Internet für mich gespielt hat, als ich entdeckte, dass ich lesbisch war. Mit ähnlichem Eifer sucht Stiles hier nach einer Antwort, die Frage: Wer bin ich wirklich? für seinen Freund zu beantworten. Scott will aber von den Ergebnissen der Recherche, die ihn wieder zu etwas ,,anderem“ gemacht hätten, nichts wissen. ,,Ich bin Stammspieler, ich habe ein Date mit einem Mädchen, von der ich nie dachte dass sie mit mir ausgeht; alles ist irgendwie perfekt“ reagiert er. Er will normal sein und die einzige Normalität, die er akzeptiert ist die der Gewinner, die der Popular Kids. Was Stiles herausfand, war: Die Verwandlung kann durch Wut, oder alles andere, was den Puls steigen lässt, ausgelöst werden. Stiles betont deutlich: Es geht nicht nur um Wut, sondern auch ganz klar um Erregung. Die Beziehung zu Allison wird damit zum Problem. Scott geht vor Wut auf seinen besten Freund los. entschuldigt sich, haut ab.

Dieses Bild, das Stiles‘ Recherchen da zeichnen, finde ich hochproblematisch. Es erzählt die Idee einer männlichen Sexualität, die mit Gewalt und Aggression verbunden ist. Sexualisierte Gewalt sei nicht Machtausübung, sondern fehlende Beherrschung. Sie muss erst kontrolliert werden, aber bis dahin kann der Scott ja auch nichts wirklich dafür.

Auf der Party macht er mit Allison rum; der Puls steigt, er bemerkt, dass die Verwandlung beginnt und flüchtet mit dem Auto. Dass er in diesem Zustand Auto fahren kann … Er duscht, erlebt die Verwandlung als monströses Ereignis. Kafka anyone? :)

Wichtig: bei Teen Wolf betrifft Verwandlung auch den Kopf, die Gefühle. Das Tiersein oder das Bild, das hier von Tiersein gemacht wird, überwältigt den ,,vernünftigen“ Mann ganz und unterwirft ihn ersteinmal. Hier wird mein Interesse als Antispeziesistin wach. Der Mensch macht sich selber zum Menschen, indem erklärt wird, was ,,tierisch“ ist; es erfolgt eine Abgrenzung dazu. Menschlich heißt, nicht „Tier“ zu sein. Hier geht es nicht nur um Sexualität, sondern um ein grundsätzliches Bild von Menschlichkeit, deren Grundlage die Erziehung zum Menschen ist. (Yeah erinnert nicht grundlos an Beauvoirs ,,Man wird nicht als Frau geboren, sondern zu einer gemacht.“) Und die Jugend ist die Zeit, in der diese Erziehung noch nicht zur Genüge abgeschlossen ist.

Ich übersetze mir ,,Teen Wolf“ deshalb nicht allein als ,,jugendlicher Wolf“, sondern für mich ist es eher ein recht offensichtliches „Teen = Wolf“.

Allison ist in Gefahr, weil Derek Hale, seines Zeichens der Alpha-Werwolf, der Scott gebissen hat, sie abgeholt hat von der Party. Scott stürzt zu ihrer Rettung los. Doch Derek stellt ihm nur eine Falle: er hat Allison sicher zurückgebracht. Die Begegnung ist wieder eine rein körperliche Szene, Mann gegen Mann. Derek sagt ihm klar, um was es ging: „She‘s safe. from YOU/ Sie ist sicher, vor DIR.“ Hier taucht der Werwolfjäger Argent auf, Scott wird verletzt. Derek befreit ihn von dem Pfeil und sagt ihm:,,Dir wurde etwas gegeben, für das die meisten Menschen töten würden. The bite is a gift.“ Der Biss soll ein Geschenk sein, von einem anderen Mann, auferzwungene Gewalt, die ihn zu einem Mann machen soll. Hier wird also klar, wer nicht nur großzügiger Schenker echter Kraft und Macht ist, sondern zudem die Erziehung eines männlichen* Teenagers zur (rechten) Männlichkeit übernehmen sollte: ein (älterer, erfahrener) Mann. Derek Hale, Alpha-Werwolf, will ihm beibringen es zu kontrollieren und sagt, dass sie jetzt Brüder sind. Scott sagt erstmal Nein.

Crossposted auf takeover.beta.

2 Kommentare

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  2. Marishiki · Dezember 2, 2012

    ich kommentiere jetzt mal munter (und wahnsinnig lang, omg, i’m so sorry) drauf los, am verlauf des artikels entlang, und ich spoilere kräftig, nehme also auf beide staffeln teen wolf bezug. vorher möchte ich noch loswerden, dass ich das, was du in deinem artikel schreibst, gut finde und es mich auf jeden fall inspiriert, noch mehr mit bezug zum außendrumherum über die serien nachzudenken, die ich gucke. was ich so zu sagen habe sind nicht so coole, fundierte sachen wie du hier geschrieben hast, sondern mehr so „hm, aber, hier so…“, irgendwie sowas. nun denn, auf auf!

    zu dem „werwolfsein = männliche sexualität, inklusive aggression“: ja, das kann eins sicherlich so finden. mein eindruck ist aber, dass in der unterhaltung (buch, film, serie, you name it) einfach vieles übernommen wird, „werwolf/vampir/meerjungfrauen, geiles thema, immer schon geil, nehmen wir“. ich würde so manche_r_m unterhaltungsmacher_in gerne zusätzlich zur künstlerischen ausbildung noch eine soziologische o.ä. an die stirn tackern, weil teilweise so munter und endlos stereotypen reproduziert werden. ich will damit nicht sagen, dass du mit deiner interpretation unrecht hast, mir fehlte da vielleicht nur ein „das kann man da sehen/interpretieren, es geht aber nicht unbedingt gezielt und überlegt von den macher_innen aus, sondern ist wahrscheinlich eher unhinterfragt übernommen“. ja, intent isn’t magic, ist klar. und doch sollte etwas, das (vielleicht) nicht intentional (gibt es dieses wort überhaupt im deutschen? argh) ist, nicht als intentional dargestellt werden.
    vielleicht bin ich da auch nur grad so pingelig, weil auf der anderen seite jeff davis so manches nicht reproduziert, bspw. der umgang mit homosexualität in der serie, so schön. ich erinnere nur an die folge mit dem kanima im gay-club. oder auch stiles verzweiflung darüber, dass schwule männer ihn nicht anziehend zu finden scheinen. oder, wie du auch erwähntest, danny, der nebenbei statt hauptberuflich schwul ist. ach, jeff davis, ey.

    bei erica hoffe ich auch, dass sie noch weiter ausgebaut wird. bei boyd auch. boyd wurde ja überhaupt sehr wenig erklärt, im vergleich zu isaac und erica. schade. schade auch, dass dann teilweise so ein zickenkrieg um scott zwischen alison und erica inszeniert wird, klare rollenverteilung mit alison als holde heilige und erica als hure (wahlweise auch bitch – you see what i did there).
    (oh, zu den weiblichen werwölfen fällt mir ein: bei twilight gibt es auch eine weibliche werwölfin! und jetzt halt dich fest, denn was passiert mit ihr, nachdem ihr werwolfsein getriggert worden ist? sie kommt in die wechseljahre! angeblich, weil ja alle werwölfe dann so schnell erwachsen und groß werden, aber hey, die männlichen werwölfe stecken auch nicht plötzlich mit falten in der midlifecrisis. sie hingegen verliert erstmal ihre weibliche fruchtbarkeit, und damit einen wichtigen ausdruck ihrer weiblichkeit, kinderkriegen und so. hmpf. aber nun gut, stephenie meyer traue ich wirklich nicht zu, dass sie das genauer beleuchtet hat.)

    »Scott McCall … klassischer weißer Dude«: *BOOOOP* tyler posey sagte mal in einem interview, scott sei „mexican“. (posey ist half mexican und wurde bisher auch meist eher in eindeutig nicht-weißen rollen besetzt, bspw. als jennifer lopez‘ sohn in „maid in manhattan“ oder so, jedenfalls, sie als lateinamerikanisches zimmermädchen.) klar, das ist nicht enorm auffällig, aber, wie ich kürzlich auf tumblr las, haben wir da vielleicht einen nicht-weißen helden bekommen, ohne es zu merken? hui!
    zu scott’s außenseiter sein: ich nehme das vor allem darin wahr, dass er außer stiles keine freunde an der schule hat. ja, er ist attraktiv, sportlich, blubb, aber er hat zuerst kaum kontakte und somit trifft das außenseiterding sozial schon zu.

    stiles… hach ja, stiles. stiles ist übrigens auch der, der bei sexistischen witzen gerne mal „meh“ sagt. er ist der beste.

    »Der Trainer des Lacrosse-Teams ist dabei die klassische negative männliche Figur, die ihn nicht anerkennt und für den menschlich nichts zählt außer Leistung.«: das mag in der ersten episode noch so wirken, im weiteren verlauf der serie ist er aber vor allem immer mehr eine möglichkeit für comic relief. und traut sich auch mal, den jungs zu sagen, dass sie ihm schon wichtig sind (naja, außer greenberg…), auch wenn es nicht so rüberkommt. und zu seiner männlichkeit: er spricht sehr offen darüber, dass er nur einen hoden hat. das ist ein kleiner (mwahaha) aspekt, aber schon einer, der sehr deutlich nicht klassisch männlich ist. (wobei ich grad überhaupt die verwendung des begriffes „klassischer männlichkeit“ so, wie er in unserer welt belegt ist, komisch finde bei einer welt, für die männliche homosexualität okay und normal ist. denn, zur „hiesigen“ klassischen männlichkeit gehört ja schon das hochhalten der heterosexualität, und da speziell der gegensatz mann-frau und so, und das macht dann ja auch (speziell männliche) homosexualität zu etwas, das nicht okay und abzulehnen ist. eine welt, in der homosexualität okay und normal ist, mann-sein also auch außerhalb dieses gegensatzpaares stattfinden kann, hat eine andere „klassische männlichkeit“. ist dieser gedankengang halbwegs verständlich?)

    das abwerten von mädchen in der szene zwischen alison und scott hat mich auch enorm genervt, ja. da ich mich mit meinem wissen, dass das nicht okay ist und was alles dazu gehört, sowieso wie eine der wenigen auserwählten™ fühle – nothing unusual. ._.

    »Das Tiersein oder das Bild, das hier von Tiersein gemacht wird, überwältigt den ,,vernünftigen“ Mann ganz und unterwirft ihn ersteinmal.«: hier will ich noch eine andere sichtweise reinbringen. ich gucke once upon a time und habe kürzlich eine folge gesehen, in der es um das werwolfsein einer person (btw einer weiblichen) geht. diese person hat, ähnlich wie scott, zu anfang ihre verwandlung nicht in der hand und nach ihren verwandlungen black outs, weiß also nicht, was sie als wolf getan hat. der schlüssel ist nicht, ihr wolfsein zurückzuweisen oder einen kühlen kopf zu behalten. der schlüssel ist, den wolf anzunehmen und diesen aspekt ihrerselbst nicht zurückzuweisen, sondern neben dem menschlichen teil existieren zu lassen. sobald sie das tut, sobald sie den inneren wolf annimmt (bzw. einsieht, dass sie kein monster ist, dass sie nicht böse ist, bloß weil sie ein werwolf ist, so wirds in der serie eher gesagt) ist sie in der lage, ihren wolfzustand zu kontrollieren – nicht ihr menschlicher anteil kontrolliert den wolf-teil, sondern sie als person lebt bewusst und willentlich ihr wolfsein aus.
    ich bringe das deshalb an, weil scott zu anfang ja auch black outs hat, die verwandlung nur im schlaf, also ohne bewusstsein, geschieht und er erst im weiteren verlauf lernt, die verwandlung zu steuern und auch verwandelt noch die kontrolle über sich selbst zu haben. ich sehe das nicht als ein „der mensch bezwingt das tier“, denn dann würde das tier unterdrückt/verdrängt und scott könnte sich -meiner meinung nach- gar nicht mehr verwandeln, sondern als ein „der mensch nimmt seine natürlichen, ursprünglicheren teile an, anstatt sie zu verdrängen (so wie wir das ja eigentlich sehr früh lernen, siehe inneres(!) kind und so), und erlangt so die kontrolle über diesen teil seiner selbst zurück“.

    »Der Biss soll ein Geschenk sein, von einem anderen Mann, auferzwungene Gewalt, die ihn zu einem Mann machen soll.«: ich verstand unter diesem geschenk eher die diversen, nicht menschlichen fähigkeiten. das ist ja nicht nur stärke und gewalt, sondern auch schnelligkeit, geschärfte sinne und so. das macht ihn nicht zu einem mann, sondern verschafft ihm stellenweise vorteile, ja – und lässt ihn das leben anders erleben als als „normaler“ mensch. (das ist etwas, was auch sehr oft in den vampirstories gebracht wird, dieser unterschied zum menschlichen erleben.)

    außerdem noch: »tote Schwester des Alphawolfes Derek Hale«, »Alphawolf Derek Hale«, »Derek Hale, seines Zeichens der Alpha-Werwolf, der Scott gebissen hat« – nope, nope und nope. derek wird erst am ende der ersten staffel zum alpha, nachdem er seinen onkel peter hale, der der bisherige, unbekannte alpha war (der übrigens auch scott gebissen hat), getötet hat.