Klassismus oder: Der Artikel, den ich nicht schreiben kann.

Inhalt: Klassismus, Ton-Argument, bürgerlicher Feminismus

Das ist meine Schreibblockade.

Sätze, kurz und abgehackt.

Pausen. Tippen. Pausen. Überlegen. Zerfahren. Verwirren.

Tastatur funktioniert nicht. Ich hacke auf sie ein und hoffe, der wütende Überschwang bringt, bringt …

Seit wann?

Seit dieser Auseinandersetzung mit Antje Schrupp.

Was ist passiert?

Derailing. Tone Argument.

Was wirst du tun?

Wütend sein. Und diese Wut veröffentlichen. Auch wenn es Drei-Wörter-Sätze sind.

Antje Schrupp ist Feministin. Sie nennt sich Differenz-Feministin. Differenzfeminismus geht von der Unterschiedlichkeit aller Frauen* aus. Sie schreibt einen Blog.

In diesem Blog schreibt sie eines Tages über Verständlichkeit im Feminismus. Sie sagt: Es kommt nicht darauf an, wie leicht ein Text zu verstehen ist. Sie sagt, es kommt darauf an, wie sehr ein Mensch daran interessiert ist, ihn zu verstehen.

Es gibt viele Menschen, die viele Texte nicht verstehen. Weil nicht allen Menschen derselbe Zugang zu Bildung ermöglicht wurde. Meistens ist so ein Text schwer verständlich geschrieben. Ich verstehe auch viele Texte nicht. Dabei studiere ich. Und dabei interessieren mich die Themen sehr. Aber ich hatte keine Umwelt, die mich in meinen Bestreben unterstützt hat. Mir fehlte der akademische Hintergrund.

Nach der Meinung von Antje Schrupp bin ich aber nicht interessiert genug. Oder nicht genug betroffen.

Diese Erklärung ist klassistisch. Sie verleugnet eine Realität, in der Menschen Geld und Zeit brauchen, um sich eine derartige Bildung zu ermöglichen. Geld und Zeit stehen nicht jedem Menschen genügend zur Verfügung.

Zu ihrem Artikel gibt es auch einen Kontext. Der Kontext war eine Debatte, in der Menschen Feminist*innen Unverständlichkeit vorwarfen.

Dazu möchte ich hinzufügen: Es gibt unverständliche Feminist*innen. Und es gibt Menschen, die Feminist*innen Unverständlichkeit vorwerfen, um sich nicht inhaltlich mit Feminismus auseinandersetzen zu müssen.

Auf diese Vorwürfe reagierten Feminist*innen mit eigenen Artikeln. Sie schrieben, als ob Feminismus Kuschelzone für alle Frauen* bedeute. Sie schrieben, als ob alles andere der böse äußere Feind sei.

Mich stört das. Feminismus ist für alle Frauen*. Aber das heißt nicht, dass es unter Feminist*innen keine Diskriminierung gäbe. Es gibt sie. Und wer davon redet, dass Feminismus Kuschelzone für alle Frauen* sei, macht Diskriminierung unsichtbar. Dazu hat Kiturak bereits alles Wichtige geschrieben.

Ich kritisierte Antje Schrupp, auch andere. Esme hat einen sehr guten Artikel dazu geschrieben. Doch es gab keine weitere inhaltliche Auseinandersetzung mit Antje Schrupp. Stattdessen derailte sie. Das englische Derailen bedeutet: (den Zug) entgleisen. Ablenken. Das Gespräch bewusst anders lenken. Oder: Alles, nur nicht mit der eigentlichen Kritik auseinandersetzen.

Sie benutzte auch das Ton-Argument. Das bedeutet: Du redest in einem bestimmten Ton mit mir, also ist deine Äußerung nicht wertvoll, muss nicht beachtet werden. Ton-Argument wird oft verwendet, um diskriminierte Menschen zum Schweigen zu bringen. Wir erfahren strukturelle Gewalt, von Institutionen, von Menschen. Wir werden wütend, erschöpft, ängstlich, verletzt, panisch, gestresst, wir wollen uns verstecken oder brüllen, wir weinen. Und dann wird das gegen uns verwendet. ,,Wenn du das nur anders/netter gesagt hättest, könnte ich dich ernst nehmen“, sagt di:er Täter*in, di:er Übergriffige.

Antje Schrupp geht weiter. Sie tut, als ob es nur um zwei Individuen geht. Sie redet von ,,Beziehungen“ und dass es eigentlich um eine Störung von Beziehungen gehe. Sie sagt: Mit deiner wütenden Reaktion ist „unsere Beziehung“ zuende.

Antje Schrupp ist eine bürgerliche, weißdeutsche Feministin. Sie kann so mit Kritik umgehen, die an sie herangetragen wird. Sie geht so mit Kritik um.

Zuletzt möchte ich sie noch zitieren.

Im Blog von Susanna14 schrieb sie kurz nach unserem ,,Beziehungsende“:

ich finde das mit der Intersektionalitat auch nur halbgut, ich glaube auch, dass das Konzept hier in D. “dogmatischer” diskutiert wird als in USA, ebenso wie die Ideen von Judith Butler. […]Ich sehe das auch genauso wie du, dass die häufig vorgenommene Analogisierung der verschiedenen “Ismen” falsch ist, und im Falle des “Klassismus” ist es besonders deutlich. Wobei, wie gesagt, diese Ansätze alle auch etwas Wahres haben, und dieses Wahre wahrzunehmen fällt in Deutschland halt schwer, weil viele ihrer Protagonist_innen das nicht nur schlecht vermitteln (:)) sondern meiner Meinung nach auch teilweise falsch verstehen bzw. wiedergeben. in den USA sind diese Debatten mehr in der breiteren feministischen Bewegung verankert und kommen dort zu ihrem recht, ohne einen Absolutheitsanspruch.

(Kürzungen von mir)

Ich fasse die letzte Hälfte zusammen:
Ihr seid doch selbst Schuld daran, dass wir euch nicht ernst nehmen.

14 Kommentare

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  2. Antje Schrupp · November 14, 2012

    Über Twitter habe ich zufällig mitbekommen, dass man hier nun doch kommentieren kann. Es war nicht meine Absicht, die Diskussion mit dir aufzukündigen, ich hatte nur den Eindruck, dass du an einer weiteren Auseinandersetzung nicht mehr interessiert bist (nachdem du mich auf Twitter entfolgt und als unverbesserliche Klassistin eingeordnet hattest), aber vielleicht war der ja falsch.

    In meinem Blogpost ging es ganz und gar nicht darum, unverständliche feministische Sprache zu verteidigen (wer es nachlesen will, hier: http://antjeschrupp.com/2012/10/19/von-der-wichtigkeit-politischer-beziehungen-und-der-schwierigkeit-neues-zu-vermitteln/), sondern ich habe – neben vielem anderem – geschrieben, dass meiner Ansicht nach gerade Intellektuelle und wissenschaftlich Gebildete in der Gefahr stehen, neue Ideen als „unverständlich“ abzuweisen, weil sie gar nicht daran interessiert sind, Neues zu erfahren. Davon bin ich auch nach wie vor überzeugt und das haben wir ja dann auch in den Kommentaren diskutiert. Ich habe damals wiederholt betont, dass ich keineswegs der Ansicht bin, Menschen ohne akademische Vorbildung seien selber schuld, wenn sie bestimmte Texte nicht verstehen. Und ich meine, das auch nicht gesagt zu haben bzw. wenn es missverständlich gewesen sein sollte spätestens in den Kommentaren erläutert zu haben. Mein Punkt und das Thema meines ganzen Blogposts war eben etwas völlig anderes.

    Deshalb weiß ich auch hier jetzt nicht, was ich inhaltlich schreiben soll, außer halt dass das, was du mir vorwirfst, einfach nicht zutrifft: Ich bin nicht der Meinung, dass du selbst schuld bist, wenn du etwas nicht verstehst. Von daher, ja, gut, du kannst das weiter behaupten, dagegen kann ich nichts machen, aber worüber sollen wir dann reden? Wenn ich im Bezug auf deine Klassismus-Analyse gar keine andere Meinung habe als du?

    Den Teil, den du als „Ton-Argument“ verstanden hast, habe ich aus einem akuten Ärger über deine Twitter-Polemiken gegen mich geschrieben und nachdem in den Blogkommentaren immer wieder behauptet worden war, ich würde das „selbst-Schuld-Argument“ vertreten. Ja, das hat mich angenervt, weil es eben nicht stimmt.

    Zu meinem Kommentar bei Susanna: Diese dort formulierte Kritik an bestimmten Debatten über Intersexualität in Deutschland und dass ich es falsch finde, die verschiedenen -ismen zu parallelisieren, ist tatsächlich meine Meinung. Mit unserer Debatte in meinem Blog hatte das aber überhaupt nichts zu tun. Und auch hier ist es wieder so, dass deine Zusammenfassung am Ende nicht das wiedergibt, was ich gesagt habe.

  3. NATALIA · November 14, 2012

    Ich glaube dass Antje gerne ein Tipp von Feminismus vertritt und es wa eine bürgerlicher…wir wissen dass seit der 70 er Jahre würde versucht diese emanzipatorische und deshalb innewohne revolutionäre Bewegung zu kooptieren…deshalb hast du jemand vieles Antjes Schrupp in der ONU, NGO´s, Staat, u.s.w. ; so das nicht mehr emanzipatorisches übrig bleibt…so ist das system Patriarchat…. in Lateinamerika gibt eine große spaltung und wir werden sie weiter bekämpfen, den im gründe sie sind „die verwöhnte tochter von vatti„….

  4. Distelfliege · November 14, 2012

    Huhu! Ich habe die Diskussion bei Antje Schrupp auch ein wenig verfolgt. Nicht alles, wegen Zeitmangel. Ich hab ihren Artikel anders verstanden. Ich dachte, dass sie nirgends gesagt hat, es käme nicht drauf an, wie verständlich ein Text ist. Sondern halt, dass es _auch_ eine Rolle spielt, wie sehr einen der Text angeht und wie sehr man das verstehen will. Ich sah das als ein „Auch, nicht nur“ oder „entweder-oder“. Ich finde das deswegen schade, dass sich der Streit ausgerechnet wegen diesem Artikel von Antje Schrupp entzündet hat. Mir ist aber auch klar, dass ganz viele andere das auch so gelesen haben wie du. Ich möchte deshalb auch nicht sagen, so wie ich das gelesen habe, ist es „richtig“ oder so.

    Die Auseinandersetzung die da läuft und die Argumente, die es dann gibt, die finde ich ja gut – dass darüber debattiert wird. Dass du z.B. diesen Text geschrieben hast, finde ich gut und einiges finde ich bringts voll auf den Punkt.

    Bei mir kommt das auch vor, dass ich Texte, die ich lese, nicht verstehen kann, auch nicht mit Fremdwörterbuch und auch nicht mit 5 mal lesen jeden einzelnen Absatzes und rumgrübeln darüber. Ich habe mich damals an der Uni auch total drüber aufgeregt. Letztendlich auch mit ein Grund, wieso ich das Studium auch wieder abgebrochen habe. Ich sah mich nicht mehr in dem Bereich des geisteswissenschaftlichen Brainf*cks zuhause.
    Ich hatte an der Uni eine Dozentin, die konnte sehr klar reden. Fachsprache hat sie immer genau da eingesetzt wo es nötig war, wo es genau treffend war – eben so, dass ich sie dadurch besser verstanden habe, anstatt schlechter. Wow. Leider haben das die wenigsten gemacht.

    Das Problem mit der Unverständlichkeit ist manchmal auch, dass Unverständlichkeit als Selbstzweck gesehen wird. Weil es einfach zum akademisch-sein dazu gehört, werden Texte noch extra aufgebläht und verkompliziert. Also ich finde, Texte sollten nicht unnötig kompliziert sein, weil Einfachheit die eigentliche große Kunst ist. Nicht (nur) weil niemand ausgeschlossen werden soll, der_die weniger Zugang zu Bildung hatte, sollten Texte einfach sein. Sondern weil Einfachheit auch denen gut tut, die die nötige Bildung haben. Weil es Gehirnenergie spart. Weil es schöner ist, und es muss nicht weniger schlau sein. Es muss nicht weniger komplex sein. Aber möglichst einfach zu schreiben, ohne gleichzeitig Einbußen zu haben bei dem was man rüberbringen kann, ist echt schwierig. Ich finde das okay, wenn manche das noch nicht leisten können, aber ich finde es nicht okay, wenn sich nicht einmal darum bemüht wird. Und wenn stattdessen so ein akademisches Schwafeln, um zu beweisen, dass mensch schlauer und besser ist, gepflegt wird.

    liebe Grüsse!

  5. Profilbild von Bäumchen
    Bäumchen · November 14, 2012

    @ Antje Schrupp
    Nachdem deine Bezeichnung meines wütenden Kommentars sich bei dir von „Patzigkeit“ zu ,,beschimpfen“ steigerte (siehe dein Kommentar zu Samia am Schluss), sah ich keinen Grund mehr, diese Debatte fortzuführen. Vor allem, weil du das dann als ein Grund sahst, dadurch ,,Gegner*in“ zu werden.

    Mir geht es aber nicht um Gegner*innenschaft, wenn ich wütend werde. Überhaupt, plane ich meine Gefühle nicht ein oder verwende sie um etwas zu erreichen. Wut ist ersteinmal Wut über etwas, was geschehen ist.

    Wir können es einer Blogosphäre verdanken, die sich untereinander kennt, die keine konkrete Ansprache liefert, sondern erstmal ein Problem verallgemeinert anspricht(wobei natürlich die meisten wissen, um wen es geht; und ja, auch ich habe soetwas drauf), ,,Leute behaupten in letzter Zeit“. Jedenfalls hast du am Anfang nicht von ,,Intellektuellen“ gesprochen, sondern von Annahmen, warum manche Menschen (wer?) Abwehr aussprechen gegenüber feministischer Unverständlichkeit. Die deiner Meinung nach nicht daran liegt, dass Feminist*innen tatsächlich unverständlich reden. Dann aber kommt deine Definition davon, wie du meinst, dass neue Ideen aufgenommen werden. Und da hab ich einfach ein riesiges Problem mit. Vielleicht wäre die Verwendung von ,,auch verständliche Sprache hilft“ ein einfaches Mittel gewesen. Aber du hast es ausgeschlossen.
    Ich habe vor einiger Zeit eine Kritik an einem meiner Texte bekommen. In einem sehr langen Artikel, mit unglaublich verschlungener, soziologischer Sprache. Ich bin offen für Kritik, aber ich habe einen halben Tag, wirklich, an diesem Text sitzen müssen und eine Antwort formulieren. Und danach war mir zum Heulen zumute. Ja, ich habe es letztendlich herausgefunden, was der Mensch von mir wollte. Aber ich habe mich echt scheiße gefühlt und das Gefühl gehabt, der Mensch wollte mich bloßstellen. Zudem war einiges von dem Soziologischen Gefasel leere Hüllen; als ich sie dann aufgelöst habe, steckte in ihnen nicht wirklich eine Aussage drin. Wie soll mensch sich auf Kritik äußern, wenn sie so verschwommen ist?
    Die Debatte um Critical Whiteness, Intersektionalität, Feminismus lief ja schon eine Weile. Es wurden Fronten aufgemacht, Antirassismus vs. Antiklassismus. Ich weiß nicht, wer da was benutzt hat um gegen wen zu reden, da waren zuviele Bündnisse miteingewoben zwischen den verschiedensten Menschen. Aber so funktioniert Politik. Was mich aber ärgerte, war, dass m.E. marginalisierte Gruppen gegeneinander ausgespielt wurden. Dass Feminist*innen in ihrem Bemühen, antirassistische Politik zu verteidigen, andere, klassistisch betroffene Feminist*innen unsichtbar gemacht haben in ihrer Art, die Debatte zu führen. Und yeah, Menschen wie ich haben da nix zu gewinnen, weil von beiden Sachen, Rassismus wie Klassismus, betroffen. Als ich mich äußerte, reagierte keine*r. Zu schön war es wohl, auf die andere Seite einzuschlagen. Als Freundinnen* von mir sich daraufhin äußerten, wurde ihnen* gesagt, sie* seien ja nicht klassistisch betroffen, so what’s the deal. Also muss sich jede* erstmal als ,,arm“ oder ,,ungebildet“ outen, bevor sie* was sagen darf. Und wenn sie es sagt, wie in meinem Falle, wirds einfach nicht beachtet. Mein zweiter ,,Auftritt“ auf der politischen Bühne in deinem Posting war also nicht elegant. Es war einfach ein entnervter Aufschrei.

    Der Teil des Kommentars, den ich von dir zitiere, ist wichtig. Wer da wo was analogisiert, erstmal nicht. (Wo überhaupt? Wer überhaupt? Wieso ,,vor allem Klassismus“?) Sondern dass du wieder letztendlich den ,,Protagonist*innen“ in Sachen Intersektionalität die Schuld daran gibst, dass sie ihr Thema nicht gescheit vermitteln können bzw. es sogar falsch verstehen. Sogar ,,dogmatisch“ sind. Du sagst also ähnliche Dinge, die Katrin Rönicke vorgeworfen wurden. Und hast es m.E. den verschiedenen ,,Beziehungen“ zu verdanken, dass nur wenige ähnlich auf dich reagiert haben.

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  7. Antje Schrupp · November 14, 2012

    @Bäumchen – Diese ganzen Debatten, die du da im Hinterkopf hattest, hatte ich wiederum gar nicht mitbekommen. Wahrscheinlich habe ich mich deshalb etwas ungerechtfertigt angegriffen gefühlt, zumal ich ja ganz bestimmt keine komplizierte soziologische Sprache schreibe. Meine Folie waren eben eher diese Abwehrreaktionen von eher „gelehrter“, intellektueller Seite.
    Dass ich mich in meinen Posts, auch wenn sie von aktuellen Konflikten und bestimmten Personen geführten Debatten manchmal thematisch motiviert sind, selten direkt auf diese beziehe, sondern das allgemeiner formuliere – nach dem Motto „manche Leute sagen“ – hat den Grund, dass ich auch andere Leser_innen für diese Themen interessieren möchte, die von diesen konkreten Anlässen vielleicht gar nichts mitbekommen habe. Mich interessiert also immer der Aspekt, der von breiterem Interesse sein kann. Dass die „Beteiligten“ das dann manchmal auf sich beziehen, kann natürlich dennoch passieren.
    Meine Einwände gegen das Konzept der Intersektionalität habe ich in dem Kommentar nicht genauer ausgeführt, weil es ja eben nur ein Kommentar war und keine eigenständige Auseinandersetzung mit dem Thema. Von daher war sie nicht richtig ausgearbeitet, aber wenn ich sage, dass manche Leute das „teilweise“ dogmatisch verstehen, dann ist das noch kein prinzipieller Angriff und besagt auch nicht, dass Leute, die Intersektionalität vertreten, prinzipiell alles falsch machen und selber schuld sind, wenn ihre Ideen falsch verstanden werden. Finde ich jedenfalls. Außerdem hatte ich dort ja zu einem längeren Text von mir zu dem Thema verlinkt.

  8. Profilbild von Bäumchen
    Bäumchen · November 14, 2012

    @Schrupp
    Ich hab ein Problem mit ,,manche Leute“ … sehe es als generelles Problem in der Blogosphäre, dass Sachen so unkonkret ausgesprochen werden. Soviele Leute reden in der Blogosphäre, die ich kenne, nämlich nicht über Klassismus, weswegen ich mich angesprochen fühle.
    Ich hab gestern Schüssler-Fiorenza gelesen und bin zu der Stelle gekommen, die du in deinem Blogpost erwähnt hast und die sie dir erzählt hat. Lustigerweise machte der unterschiedliche Kontext eure ähnlichen Aussagen für mich zu beinah entgegen Gesetztem. Sie schrieb nämlich zuvor:

    Gewöhnlich wird angenommen, dass sich akademische oder kirchliche AmtsträgerInnen Wissen über die Bibel und Interpretationspraktiken zur Bibel aneignen oder sie entwickeln und sie dann in die Sprache von gewöhnlichen LeserInnen ,,übersetzen“. Von diesen wird dann erwartet dass sie dieses ,,fertige“ Wissen übernehmen und in ihrem Alltagsleben anwenden. Ich argumentiere dagegen, dass Frauen, die sich für Veränderung und Anerkennung als VollbürgerInnen in Gesellschaft, Universitäten und Kirche einsetzen, zuerst emanzipatorische und befreiende Einsichten zur Sprache bringen, mit denen sie dann die Bibel lesen.

    Feministische WissenschaftlerInnen haben dann die Aufgabe, diese Einsichten in akadem

  9. Antje Schrupp · November 14, 2012

    Danke für das Raussuchen der Stelle bei Schüssler-Fiorenza (wo hast du sie denn gefunden? Ich hatte das nämlich nicht gelesen, sondern Schüssler-Fiorenza hat mir das vor über zehn Jahren mal in einem Interview erzählt, das ich beim Bloggen aus der Erinnerung wiedergegeben habe, es steht aber auch im Netz: http://www.antjeschrupp.de/schuessler-fiorenza).

    Ich bin froh, dass das Missverständnis jetzt aufgelöst ist.

  10. Profilbild von Bäumchen
    Bäumchen · November 14, 2012

    @Schrupp Ich würde mir in Zukunft eine Richtigstellung wünschen und nicht Abwehrreaktionen. Kann sein, dass dir der Kontext nicht vertraut war; es bleibt dennoch klassistisch in diesem Zusammenhang, auch wenn du es ,,nicht so gemeint“ hast.

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  14. Manuela · November 14, 2012

    Ich kann mich dem Kommentar von Distelfliege nur anschließen. Diese ganzen soziologischen Phrasen in den feministischen Debatten erinnern oft an die Gesprächsrunden von Politikern, die auch oft versuchen, mittels Fachbegriffen einen Vorteil für ihre Argumentationskette zu erhalten. Meist wird wohl darauf spekuliert, dass der politische Gegner diese nicht versteht und keine Gegenargumente mehr findet oder gar nicht erst widerspricht. Die meisten Texte könnte man viel unkomplizierter und verständlicher gestalten, anstatt allem einen akademischen Anstrich zu geben. Damit könnte man viel mehr Menschen erreichen und eine viel breitere Diskussion in Gang bringen.