Vaginas, Penisse, Politik

Inhalt: Penetrationssex (PIV – penis in vagina), r*pe, frauen*ärztliche Untersuchung


Hallo Heterafreundinnen*. Lasst euch was erzählen!

 

Also: Ihr benutzt Tampons und Penisse? Wie schön! Behaltet das für euch! Will ich nicht! –

 

Szene 1: Ich werde gefragt, ob ich Tampons habe, da eine der Mädels ihre Tage hat. Nein, sage ich, ich benutze nur Binden. Aber warum?, fragt das Mädel sofort. Und redet eindringlich auf mich ein. Gibt es denn einen Grund wieso? Und die sind doch viel besser als Binden! Hast du etwa ein Problem damit, die dir einzuführen? Na? NA?

 

Warum müssen Menschen mit Vaginas immer stets bereit sein, sich irgendwas in ihre Vagina einzuführen?

 

Szene 2: Wir reden über Frauen*ärzt*innen. Heterafreundin hat tolle Ärztin und schwärmt, ich brumme etwas über beschissener Typ und nie wieder. Wasdennwasdenn, meint Hetera. ,,Was ist denn das für ne Scheiße, dass ich da halb vergewaltigt werden muss für ne Untersuchung“, meine ich. Und meine damit das kalte Ding, mit dem Menschen penetriert werden, um sie vaginal zu untersuchen. Freundinnen hatten mir davon erzählt, wie ihre Ärzte mit ihnen dabei umgegangen war, und ich entschied mich, die Untersuchung für mich abzulehnen. Mein Arzt war auch so scheiße. Wie lustig. Als ich es ablehnte, kam die Assistentin zu mir und fragte mit Piepsstimme, ob ich Jungfrau sei.

 

JUNGFRAUSEIN. Ahahaha. Auch so ne Heteroscheiße mit diesem ,,Jungfernhäutchen“, blödes Konstrukt alá echter Frauen* aus Kindheitsstadium herausreißender Erlösersex über Penisconnection.

 

Von einer älteren Frau*, die mich wohl beraten wollte und gar nicht darauf eingehen, dass ich es NICHT WILL, hörte ich dann, ich solle versuchen, mich zu entspannen und durch den Bauch zu atmen während einer solchen Untersuchung. Das klingt verdächtig nach ,,Close your eyes and think of England.“ Auch sie schaute mit einem hochzufriedenen Blick dabei, als sei sie amüsiert über mein für Frauen* ihrer Ansicht nach unreifes Verhalten.

 

Zurück zum Hetera-Lesben-Gespräch.

 

,,Weißt du, wer öfter Sex hat, bei dem wird die Scheide gedehnt und dann tuts eben auch nicht so weh“, gab die Hetera hilfsbereit von sich. Ich starrte sie fassungslos an.

 

Bitte nochmal: Sex ist nicht gleich Penetration. Vor allem nicht gleich Penispenetration.

 

,,Es geht nicht darum, ob ich häufig Sex habe oder nicht“, fauchte ich. ,,Sondern dass ich es NICHT WILL!“ Nicht wollen, das bedeutet: Ich strebe es nicht an, mich auf eine Weise untersuchen zu lassen, die mir unangenehm ist, nur weil Männer*(in meinem Fall) meinen, das sei Notwendig(tm), und das als einzigen Grund anführen, was es für mich von einer Vergewaltigung unterscheiden soll.

 

Menschen und Vaginas und die Politik um ihre Vaginas: Was da los? Aber hier eine Zusammenfassung meines Alltagswissens: Irgendwie scheint da noch ein Märchen herumzugehen, was den Reifegrad eines Menschen mit Vagina betrifft und das er wohl umso höher ist, umso häufiger dabei irgendetwas (bevorzugt ein Penis) in die Vagina dieses Menschen eingeführt wird.

 

Tampons sind nicht per se ,,besser“ als Binden oder lassen dich reifer menstruieren. Schwimmen soll besser damit gehen – keine Ahnung; ich hab Schulsport [gelöscht, weil Ableismus. Danke, Samia] gern geschwänzt. Und die Leute, die mir erzählen, dass mensch mit Tampons doch auch schwimmen gehen kann, gehen nie schwimmen.

 

Es gibt [in manchen Fällen. Nochmal danke @Samia]Alternativuntersuchungen beim Frauen*arzt. Auch wenn frau*mensch viel trinken muss.

 

Sex geht gut ohne Penis.

 

P.S: Ich habe bisexuelle Frauen* und andere (maybe)tampons-and-penis-using people ausdrücklich nicht angesprochen, weil ich mit denen nicht solche Erfahrungen hatte.

 

Nachtrag 23. Oktober: Ich weise auf den Kommentar von antiprodukt hin, die in ihrer Kritik ganz richtig liegt, dass ich in meinem Artikel nicht abgrenze zwischen schmerzhaften Untersuchungen und Untersuchungen, die für di:en Patient*in vergleichsweise angenehm bzw. erträglich verlaufen. Das führt zu einer pauschalen Abwertung von gynäkologischen Untersuchungen. Auch gehe ich nicht auf die tatsächliche Notwendigkeit solcher Untersuchungen ein; wodurch ich Menschen vor den Kopf stoße, die von den Krankheiten, für die die Vorsorge zählt, betroffen sind. Ich entschuldige mich dafür.

28 Kommentare

  1. GwenDragon · Oktober 13, 2012

    @bäumchen
    Dein Artikel erfreut mich — obwohl erfreulich ist nicht der Inhalt, aber die Tatsache, dass eine das Problem der Gyns und deren Vorstellungen von Norm-PIV anspricht.
    Die unfreudigen Erlebnisse bei den Gyns wenn eine nicht Hete ist. Von ruppigem Verhalten der Damen und Herren Gyns bis zur Vergewaltigung.

    Es gibt Alternativuntersuchungen? Davon höre ich zum ersten Mal. Hätte mir wohl einiges an sexueller Gewalt in den Praxen erspart.
    Aber das ist ja in wie immer ein Wahrnehmungsproblem der Frauen, die da übergriffig, sexualisiert, gewalttätig „behandelt“ werden. Ist eben rape culture, wenn eine den Gyns verklickert hat, dass sie nicht verhüten muss, weil kein PIV und dann übelste Erfahrungen machte.

    Das sowas keine Einzelfälle sind, ist wohl eher unbekannt.
    Aber bei Karnele war auch mal ein Beitrag zu den Gyns und erlebter Gewalt.

  2. Profilbild von Bäumchen
    Bäumchen · Oktober 13, 2012

    Yay, freut mich, Gwendragon :) Also, dass er dir gefällt.

    Bei der Meldung ,,Alternativuntersuchung“ hab ich nochmal korrigiert. In meinem Fall gab es eine; und zwar ging es auch, eine Ultraschalluntersuchung am Bauch zu machen; dabei musste ich sehr viel trinken, damit die Blase voll ist und das Ergebnis besser zu sehen war –

    ,,Herausgefunden“, dass es diese Untersuchung gibt, habe ich auch nur, als ich mich FEST geweigert habe, sie zu machen. Ernstgenommen wurde ich ABER ERST, als ich die Frage bejahte, noch ,,Jungfrau“ zu sein – in diesem Sinne: keine PIV hatte.

    Scheiß rape culture. Ich könnte mich immer wieder neu darüber aufregen.

  3. Steinmaedchen · Oktober 13, 2012

    finde ich total gut dass du das schreibst, auch das mit den Tampons. Penetrationszentrierte heteronormative rape culture. Mehr bleibt da eigentlich auch gar nicht zu sagen.

  4. Lillifred · Oktober 13, 2012

    Ich benzute normalerweise auch keine Tampons, aber Schwimmen kann man wirklich ganz gut damit.

  5. Ärztin · Oktober 13, 2012

    Wie sollte eine „gute“ frauenärztliche Untersuchung ablaufen?
    Ich kann mir irgendwie nur schlecht vorstellen, einen Abstrich ohne Spekulum zu machen ohne dass das schmerzhaft wäre…

  6. Profilbild von Bäumchen
    Bäumchen · Oktober 13, 2012

    Also, erstmal: wow: eine, die sich einfach ,,Ärztin“ nennt, um schon von Anfang an klarzumachen, dass jetzt ,,Hier Medizin studiert“ spricht. Vielleicht sind Sie auch Tierärztin, ich weiß es nicht. Ich hab mich mal auf Twitter umgehört, was Leute von Ihrer Aussage halten. In etwa: ,,Sie hat ihren Beruf verfehlt, wenn sie meint, es sei unvorstellbar, solche Untersuchungen schmerzfrei zu machen.“
    Ich glaube, mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Meines Erachtens hat das ja fast schon einen biblischen Touch, dass Menschen mit Vaginas immer irgendwie etwas unter Schmerzen (1.Mose, haha) erleiden müssen.

  7. Luna · Oktober 13, 2012

    Danke, ich bin „erst“ 20 Jahre alt, hab meine Mens seit ich 12 1/2 Jahre bin und- ich hasse Tampons. Jetzt schon oder eigentlich schon seit immer. Ich mag die Dinger einfach nicht und wieso soll ich mich damit quälen?
    Außerdem hab ich mit Tampons (ja, meine jetzt-muss-es-doch-mal-gehen-Versuche) meine Mens länger gehabt als nötig…
    Also ich kann deinen Inhalt nur dreifach unterstreichen & unterschreiben.

  8. A. · Oktober 13, 2012

    [TRIGGERWARNUNG für R*pe und sexualisierte Gewalt. Bäumchen]

    Wer intravaginale Penetration per Hand gegen den Willen einer Patientin, wenn sie schutzlos auf der Liege liegt (wegen einer äußeren Labienverletzung sollte es angesehen werden!), erzwingt ist keine Ärztin sondern vergewaltigt eine lesbische Frau.

    Da braucht dann keine hier zu kommen, intravaginale Untersuchung wäre notwendig. Ärztliche Untersuchungen kommen durch einen Behandlungsvertrag zustanden, der Willen der Patientin darf nicht übergangen werden. Das ist strafbar.

    Aber das interessiert niemand. Ärzte dürfen alles.

    Zum Gyn gehen? Nie mehr und wenn, niemals mehr ohne Zeugin!

  9. Shandri · Oktober 13, 2012

    Hey,

    finde auch die Untersuchung immer schrecklich. Freut mich zu hören, dass es da Alternativen gibt, werde das dass nächste mal wenn ich mal zum Frauenarzt gehe ansprechen.

    Allerdings habe ich auch eine Kritik an dem Text hier (obwohl ich mich als Bifrau ja nicht angesprochen fühle ;) ): Ich habe das Gefühl, dass du aufgrund deiner Erfahrungen, die du im ersten Teil schilderst, etwas verallgemeinerst, wenn du davon redest wie Heteras so sind. Ich persönlich habe so etwas noch nicht so oft bemerkt…

  10. Profilbild von Bäumchen
    Bäumchen · Oktober 13, 2012

    @ A. Das ist furchtbar, was du da erleben musstest. ich finde da keine Worte. Ich hoffe, du kannst davon heilen.

    @ shandri
    Ich muss das nochmal erläutern mit den ,,Alternativen“. Die Alternative bei mir drehte sich um vaginalen Ultraschall; der konnte nach meiner Weigerung äußerlich am Bauch gemacht werden. Auf einer Infoseite zum Frauen*arztbesuch steht: ,,Wenn Du noch Jungfrau bist, verwendet Dein Frauenarzt sehr kleine Instrumente, um Dir nicht weh zu tun.“ Bei mir war es ein Wattestäbchen für die Vorsorgeuntersuchung.
    Zu den „Vorurteilen gegenüber Heteras“: Ich bin heute in Erklärbärinnenstimmung, deshalb streich ich deinen Kommentar mal nicht: Heteras sind nicht ,,per se“ böse und gemein und fies zu Nicht-Heteras. Sie sind einfach privilegierter als diese und sehen oftmals ihr Privileg nicht. Und das kann so manche Unterhaltung echt unangenehm machen, weil ihre Art der Sexualität die ,,Norm“ ist und alles andere die ,,Abweichung“. Wenn du Englisch kannst, hier ist ne Privilegien-Checkliste für Heterosexuelle http://queersunited.blogspot.de/2008/10/heterosexual-privilege-checklist.html

  11. Ärztin · Oktober 13, 2012

    Es tut mir Leid, falls ich mich ungeschickt ausgedrückt habe. Ich glaube nicht, dass ich meinen Beruf verfehlt habe, nur weil ich einige Untersuchungen für schmerzhaft oder unangenehm halte (wie z.B. auch Blutabnahmen, Abtasten bei Knochenbrüchen, …) und das bei meinen Patient_innen so erlebt habe. Männer freuen sich nach meiner Erfahrung auch nicht auf Harnröhren-Abstriche und Rektaluntersuchungen… Nur so von wegen Moses…

    Auf das Studium bilde ich mir nichts ein, ich ärgere mich viel zu häufig darüber wie sehr all das theoretische Wissen an den Wünschen und Sorgen der Patient_innen vorbeigeht. Einen angenehmen Zervix-Abstrich ohne Spekulum würde ich auch aus Eigennutz gerne kennenlernen, habe das in der Praxis aber – leider – noch nicht erlebt. Es gibt unendlich viele Themen, die im Studium zu kurz kommen oder wo alte dogmatische Lehrmeinungen einfach übernommen werden und einen niemand ermutigt (mit dem Einverständnis der betroffenen Personen) andere Wege zu gehen…

    Ich würde mich freuen, wenn noch ein Link oder Verweis zu einem entsprechenden Text käme, denn ich wünsche mir, meinen Patient_innen solche Erfahrungen ersparen zu können und ihnen mit Respekt zu begegnen.

  12. A. · Oktober 13, 2012

    [TRIGGERWARNUNG für explizite Gewaltdarstellung und R*pe innerhalb einer Untersuchung. Ich bitte alle Kommentierenden nochmals darum, die eigenen Inhalte zu überblicken und wenn nötig Triggerwarnungen zu setzen, um zu vermeiden, dass ihr bei anderen schlimme Erinnerungen auslöst! Bäumchen]

    @Ärztin
    Es mangelt zu oft Frauen und Männern des Berufs Gyn ehrheblich an Empathie und Einfühlungsvermögen.

    Brüste werden gequetscht, angefasst als handle es sich um tote, mit Wasser gefüllte Beutel; Vaginas werden überfallartig untersucht, obwohl die Patientin z. B. wg. Gewalterfahrung das verneint hat und keinerlei medizinische Notwendigkeit bestand, Spekuli werden eiskalt eingeführt.

    Wenn Mediziner das mal selbst in der Ausbildung durchmachen müssten, von unsensiblen Fremden (Nicht-Ärtzen, damit niemand behutsam ist wegen der Kollegen) an verletzbaren Körperstellen „behandelt“ zu werden, würdet ihr mehr auf Patientinnen eingehen, statt die eigene Abneigung auszuleben.

    Ha, was das Beispiel schmerzhafter Untersuchung anbelangt, würden sie kaum bei einem Mann die Faust sonstwo hinten rein rammen, wenn der das nicht will, oder? Oder die Hoden schon quetschen bis er schreit? Nein.

    Davon mal abgesehen ist es ein Unding, dass medizinisches Personal meint, Untersuchungen müssen schmerzhaft sein dürfen! Eine Spritze ist verd… was anderes als das Aufweiten des Unterleibes.
    Es gibt vermeidbare Schmerzen.
    Es ist ein Unterschied ob einer in eine Körperverletzung wie bei Spritze, Blutentnahme einwilligt oder übergriffig „behandelt“ wird.

    Es geht nicht darum, dass alle Ärzte böse sind, sondern dass Gewalt in Praxen passiert und keine Frau dagegen etwas tun kann, außer hier die miese Erfahrung posten.

    Ich bin sowas von verärgert wenn Leute, die angeblich mit Menschen arbeiten sich so rausreden, dass etws notwendig sei.

    Es ist zum Schreien. Denn Respekt ist etwas anderes.

  13. A. · Oktober 13, 2012

    Falls ich zu heftig bin, bitte ich um Verständnis.
    Ich will weder bei Frauen, die ähnliche Erfahrungen machten, Wunden aufreißen noch eine Berufsgruppe zum Buhmann machen.
    Solche Erfahrungen sind nicht verarbeitbar solange in helfenden, therapeutischen, behandelnden Berufen diese als nichtexistent verneint, als harmlos abgeschwächt, als Einzelfälle verniedlicht werden. Und schon gar nicht als irrelevant anzusehen weil selten (und nicht statistisch erfasst).

    Das Problem PSM existiert in Helferberufen und ist genauso relevant wie andere Handlungen gegen Frauen.

    [PSM ist ,,Professional Sexual Misconduct“ und bezeichnet alle Arten von sexuellen Übergriffen in Helferberufen; Link zum Thema. Bäumchen]

  14. Ärztin · Oktober 13, 2012

    A. ich gehe völlig einig mit dir, dass vermeidbare Schmerzen nicht entschuldigt werden dürfen. (Von Handlungen gegen den Willen der Patient_innen ganz zu schweigen.)
    Allerdings verstehe ich nicht, warum es nicht möglich sein soll, sich gegen solche Übergriffe direkt zu wehren und sich bei den entsprechenden Personen zu beschweren.
    Wahrscheinlich bin ich da naiv (und sehr privilegiert), denn ich war als sehr junge Erwachsene in einer alternativen Frauenärztinnen-Praxis (= kein Zwang zu irgendetwas) und jetzt traut sich aufgrund meines Berufs sowieso keiner mehr, mich zu einer Untersuchung zu zwingen.

  15. Profilbild von Bäumchen
    Bäumchen · Oktober 13, 2012

    Hallo Ärztin,
    deine Aussage ist Victim Blaming. Es ist nicht die schuld der Betroffenen, wenn es ihnen nicht möglich ist, sich gegen soetwas zu wehren. Die meiste Zeit arbeitet da Einschüchterung durch die ärztliche Autorität. Auch das so wenig offen über so eine Thematik gesprochen wird; zudem dass Menschen mit Vagina in solchen Fällen dann oftmals auch nicht ernst genommen werden (,,Stell dich nicht so an“etc.).

  16. Irene · Oktober 13, 2012

    … oder Überrumpelung, weil alles so gemacht wird wie immer.

    Kenne ich jedenfalls aus anderen Bereichen, da wird einfach irgendeine Substanz auf meinen Körper aufgetragen (Fluorlack, Joddesinfektion, whatever), obwohl ich das eventuell gar nicht will oder vertrage oder sonstwas. Dieser Routine zu entkommen ist auch schon nicht leicht, weil man schnell reagieren und dann hartnäckig bleiben muss.

  17. A. · Oktober 13, 2012

    Dann will ich mal aufzählen, warum die Patientin sich so nicht nachvollziehbar verhält:

    > Allerdings verstehe ich nicht, warum es nicht möglich sein soll, sich gegen solche Übergriffe direkt zu wehren

    * Wer ab dem Nabel nackt ist, springt nicht – schreiend oder nicht – aus dem Behandlungsraum, aus Schamgefühl, Angst als hysterisch wahrgenommen zu werden
    * Auf dem Stuhl kann sich keine wehren
    * Mangelnde Kommunikation der Behandler und schnelle Durchführung von Handlungen können überrumpeln
    * Körperliche, seelische Begebenheiten, traumatische Erfahrungen, kulturelle Regeln können dazuführen, dass sich Patientinnen nicht wehren (können)
    * Enormes Machtgefälle erzeugt Angst
    * In Krankheitssituationen sind Menschen nicht wehrhaft
    und so weiter …

    > und sich bei den entsprechenden Personen zu beschweren.
    * Das Gefühl selbst schuld zu sein, weil in Behandlung gegangen zu sein
    * Das Vertrauensverhältnis ist durch unerlaubte Handlungen zerstört
    * Patientin wird für nicht-compliant gehalten
    * Weil kein Schaden entstanden sein kann
    * Bei Tätern beschwert sich niemand, die zeigen keine Einsicht
    * Gewalt in der Behandlung erzeugt Angst
    * Ärzte müssen selten Verantwortung übernehmen bei schädlichen Handlungen
    * Ärzte sind immer kompetenter als Patienten und haben einen höheren gesellschaftlichen Status
    * Es gibt keine Möglichkeit nach der schädigenden Situation unerlaubte Handlungen und Straftaten nachzuweisen
    * Allgemeine Meinung, dass der Besuch beim Gyn eben nicht schön ist, und schlechte Erfahrungen dazugehören
    * Keinerlei Anlaufstellen für Gewalt im Behandlerkontext vorhanden
    * Standesorganisationen schützen Ärzte
    und so weiter…

    Wenig Wehrhaftigkeit zu vermuten ist schon ein ziemlicher Mist.
    Der Hinweis auf eine Beschwerde ist unrealistisch. Solche Taten können und sollten nicht in einem Arztgespräch bereinigt werden. Mangels Zeuge sowieso sinnlos. Davon mal abgesehen, dass durch ihr Fachwissen und intellektuelle Kompetenz Ärzte jede Situation zu ihrem Gunsten gegen die Patientin deuten können.

  18. Jolene · Oktober 13, 2012

    Danke für die Triggerwarnungen.

    Es ist gut zu lesen, dass ich nicht die Einzige bin….

  19. Ärztin · Oktober 13, 2012

    Dass in der konkreten Situation „sich wehren“ nicht möglich ist, ist mir klar.
    Meine Aussage bezog sich auf diesen Satz:
    “ Es geht nicht darum, dass alle Ärzte böse sind, sondern dass Gewalt in Praxen passiert und keine Frau dagegen etwas tun kann, außer hier die miese posten.“
    Ich fände es wichtig, dass solche Handlungen den Patientenstellen gemeldet werden.
    Danke auf jeden Fall für die verschiedenen Augenöffner.

  20. GwenDragon · Oktober 13, 2012

    @Ärtin
    Sie schrieben: „Ich fände es wichtig, dass solche Handlungen den Patientenstellen gemeldet werden.“

    Wenn sowas die Staatsanwaltschaft oft nicht mal im Vorfeld interessiert, was soll den bitte die Patientenstelle damit? Erstellen die Negativlisten von Praxen oder wie?
    Welchen Vorteil haben diese Patientenstelle im Falle irgendwelcher Gewalthandlungen in den Praxen für die jeweilige Geschädigte und zukünftige Patientinnen?
    Welche Macht haben denn solche Patientenstellen?
    Ich bitte um Erklärung.

  21. Pingback: Mädchenmannschaft » Blog Archive » Viel Kackscheiße, aber noch mehr berechtigte Wut – die Blogschau
  22. qlff · Oktober 13, 2012

    [TRIGGERWARNUNG explizite Gewalt und Zurichtung in heteronormen Gesellschaften]

    Inzwischen lebe ich als und identifiziere mich als Lesbe, habe aber in der Vergangenheit heterosexuelle Beziehungen gehabt.

    Ich empfinde die Sozialisierung hin zu heterosexuellen Beziehungen im Rückblick als Zurichtung, auch gewaltvolle Zurichtung. Es geht nicht darum, was das Mädchen oder die Frau „wirklich will“, es geht darum was sie „wirklich wollen“ soll.

    Und da ist das Verhalten von Boyfriends und Love Interests genauso von Wichtigkeit, wie das von Gyns oder Lehrer_innen oder Eltern oder Peers. Das spielt alles zusammen.

    Ich will auch gar nicht die Heteras verteidigen, die solche Sachen sagen, weil natürlich wirken sie dann aktiv an genau dem Schema mit und reproduzieren es.

    Ich will nur sagen, sie sind auch Opfer der Zurichtung.

    Und ich finde es sehr, sehr schwer, sich dem zu entziehen, auch wenn man das aktiv und bewusst will und tut. Das ist jetzt keine Rechtfertigung, ich will nur sagen, ich erlebe es als schwierig.

    Ich finde es schon schwer, da überhaupt so genau ranzukommen und das als Übergriffe bezeichnen zu können. Das gemeine ist ja, dass Sinn der Übergriffe ist, eine Norm herzustellen. Und damit werden sie ja selbst zur Norm. Und was normal ist, dagegen ist schwer anzukommen.

    Deswegen finde ich es super, dass Du das so aufgeschrieben hast.

  23. mme · Oktober 13, 2012

    danke für den text! in gyn-praxen passieren leider sehr oft gewaltvolle dinge, gegen die sehr schwer vorzugehen ist. zumal es ja oft menschen betrifft, die bereits sexualisierte gewalt erfahren haben, was es meiner erfahrung nach oft noch schwerer macht, sich in einer retraumatisierenden situation zu wehren. und die beschwerde bei der kassenärztlichen vereinigung (ich vermute mal, dass das einer der gängigen wege ist, die von „ärztin“ angesprochen wurde) ist aus meiner sicht nicht besonders erfolgversprechend, da diese gewaltvollen untersuchungen aus sicht der meisten ärzt_innen ja völlig „normal“ sind, das ist ja das furchtbare.
    nochwas zum text: ich kann zwar nachvollziehen, dass du von heteras als gruppe sprichst, möchte jedoch anmerken, dass es auch heteras gibt, die – zumindest über längere zeit – kein PIV haben. und dass ich denke, dass diese „untersuchungen“ und wie mit bzw. über eine gesprochen wird sehr gewaltvoll sein können, unabhänig davon ob hetera oder nicht, zumindest ging mir das so, auch als ich mich noch als hetera bezeichnet hab.

  24. Profilbild von Bäumchen
    Bäumchen · Oktober 13, 2012

    Hallo qlff und mme,

    Ich stimme euch beiden zu, dass erstens Heteras mitbetroffen sind und keinesfalls ,,nur Mitwirkende“ an solchen Strukturen. Zweitens auch heteras nicht ständig PIV haben. Zudem weiß ich nicht, ob ich nicht asexuelle Heteras unsichtbar dadurch gemacht habe und hab gehofft, dass das dadurch geklärt sei, welche Heteras ich anfangs anspreche (nämlich die, die gerne T und P benutzen). Mir ging es um die Selbstverständlichkeit, mit der heute zum Tamponbenutzen und zur PIV gedrängt werden, und das vor allem durch die Dominanz, mit der Heteronormaitivität in der Öffentlichkeit inszeniert wird, eben gerade auch von Heteras. Das zu reflektieren, also was mensch zum Teil selbstverständlich erscheint, ist mir wichtig. Internalisierter Sexismus ist trotz allem auch Sexismus.

  25. qlff · Oktober 13, 2012

    Und das finde ich auch so gut, dass Du das gemacht hast. Für mich war Tampon benutzen immer so ein Muss und selbstverständlich. Aber das ist es natürlich nicht, und leider musste mir das auch mal eine Freundin erklären, wieso es für sie nicht selbstverständlich ist. Und das finde ich im Nachhinein blöd. Andererseits hätte es ohne das auch nie einen Bruch mit dieser Selbstverständlichkeit gegeben.

    Ich habe das noch nicht oft gemacht, aber manchmal habe ich Ärztinnen gegenüber erwähnt, dass ich lesbisch lebe. Die hatten dann erstmal diesen Reflex „jaja, schon okay, du bist ja auch nur ein mensch“. Keine einzige hat mal gefragt, was das für mich und für sie und für die Ärztin-Patientin-Beziehung bedeutet.

    Und das ist doch ein Riesenproblem. Dass da die heteronormative Universalität automatisch für die von ihr gnädigerweise tolerierten Ausnahmen mit gültig erklärt wird.

  26. antiprodukt · Oktober 13, 2012

    Liebes Bäumchen,

    vielen Dank für deinen Text, der das Thema PSM/Missbrauch im Kontext gyn. Behandlungen in den Fokus rückt.
    Ich empfinde das Thema als kaum präsent, dabei ist es wirklich wichtig zu erwähnen, dass Schmerz/Gewalt in ärztlichen Untersuchungen keinen Platz haben _müssen_. (Wie traurig, das zu betonen, aber das „is halt kacke, deal damit“ ist echt weit verbreitet.)

    Schade finde ich, dass du kaum abgrenzt, zwischen einer Behandlung im Rahmen „des Normalen“ und einer Behandlung, die in Übergriff/Gewalt/Schmerz ausartet. Denn dass die Untersuchung in der Gynpraxis an sich nicht zwangsweise einen (unerwünschten, unfreiwilligen) Übergriff darstellt, stellst du mir zu wenig heraus – diese Generalisierung sehe ich auch als Kern der Kritik an deinem Text, denke aber nicht, dass es so gemeint war.

    Konsent-orientierte Ärztinnen und Ärzte gibt es ja doch auch ein paar, wenn auch grobe FließbandarbeiterInnen leider viel zu verbreitet sind.

    Wichtig finde ich auch, sich zu vergegenwärtigen, dass die Möglichkeit zur Vorsorge und des Arztbesuchs ein Privileg ist. Gebärmutterhals- und auch Brustkrebs (…) sind für Frauen ein enormes, tödliches Risiko. Deshalb bitte lieber viel über ÄrztInnen und Ärzte sprechen, in Onlineportalen raten (entsprechende Möglichkeiten werden immer noch viel zu wenig genutzt!), tolle PraktikerInnen weiterempfehlen, über Alternativen informieren (….) aber bitte nicht „sein lassen, weil ist eh immer schrecklich“. Vorsorge ist halt echt wichtig, auch ohne erhobenen Zeigefinger.

  27. Amala Krähenfeder · Oktober 13, 2012

    hallo bäumchen,

    ich habe ungefähr 16 jahre gebraucht, um einen gynäkologen zu finden, der mich als frau ernst nimmt. ich habe offen mit ihm darüber geredet, was für mich ok ist und was nicht (denn reden muß frau mit ärztinnen und ärzten, finde ich, wenn sie möchte, daß sich was ändert….hab schließlich keine leuchtschrift, die über meine stirn flackert und meinem gegenüber mitteilt, was ich denke / will / nicht denke / nicht will). er hat sich das alles in meine akte reingeschrieben, weswegen ich das jetzt auch nicht immer wieder erklären muß – er weiß es. ich bin zufrieden, er ist zufrieden, alles gut. so geht es also auch (was ich nach meinen früheren erfahrungen mit gynäkologinnen und gynäkologen nicht mehr zu hoffen gewagt hätte).

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